Regis24 auf dem Weg zum agilen Unternehmen (1/4)

08. August 2018

Agilität ist in aller Munde. Fortwährende Anpassungsfähigkeit, unkomplizierte Entscheidungswege und flexible Strukturen sind in der Unternehmenswelt wichtiger denn je. Regis24 hat sich bereits im Jahr 2011 auf den agilen Weg gemacht – erst zaghaft und etwas unbeholfen, mittlerweile haben wir jedoch Fahrt aufgenommen und sind um viele agile Erfahrungen reicher.

Regis24 Agilität

Uns wurde immer stärker bewusst, wie wichtig es ist, im Zeitalter des permanenten Wandels als Unternehmen agil zu sein. Starre Strukturen und Prozesse versagen zunehmend angesichts der exponentiellen Beschleunigung technologischer und wissenschaftlicher Neuerungen und immer kürzerer Innovationszyklen. Agilität ist daher auf längere Sicht kein Nice-to-have, sondern überlebensnotwendig.

Von der klassischen Systemtheorie zur Softwareentwicklung im 21. Jahrhundert

Für Agilität als Haltung eines Unternehmens gibt es keine eindeutige oder endgültige Definition. Kein agiles Management gleicht dem anderen – allenfalls gibt es Gemeinsamkeiten in der Einstellung und im Gedankengut. Das Konzept von Agiliät lässt sich zurückverfolgen bis in die Systemtheorie der 1950er Jahre. Damals entwickelte der amerikanische Soziologe Talcott Parsons das Akronym AGIL für Adaptation (Anpassung), Goal Attainment (Zielverfolgung), Integration (Eingliederung) und Latency(Aufrechterhaltung). Nach Parsons sind diese vier Funktionen unabdingbar für die Selbsterhaltung eines wie auch immer gearteten Systems. Eine Organisation muss die Fähigkeit besitzen, sich neuen Gegebenheiten anzupassen, sich Ziele zu setzen und anzustreben, Zusammenhalt und Integration zu fördern sowie grundlegende Strukturen und Werte aufrechtzuerhalten.

In den 1990er Jahren erlebte der Begriff eine Renaissance und Umprägung als „agile Manufacturing“ und erfreut sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts besonders in der Softwareentwicklung großer Beliebtheit. Eine Gruppe von Programmierern verfasste 2001 das Agile Manifest für Prozesse der Softwareentwicklung. Für die Autoren gelten „Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge; funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation; Zusammenarbeit mehr als Vertragsverhandlung und das Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans“. Die hier manifestierten Prinzipien finden in den Folgejahren Eingang in Modelle zur Software- und Projektentwicklung wie Scrum und viele andere. Der Begriff „Agilität“ erlebte seither eine Konjunktur und dient inzwischen als Label für alle möglichen Methoden und Konzepte, die ein besseres Projekt-, Abteilungs- oder gar Unternehmensmanagement versprechen. Er hat sich von den IT-Departments emanzipiert und zunächst vor allem projektorientiert arbeitende Start-ups unterschiedlichster Branchen inspiriert, findet aber inzwischen auch Anklang in der Produktentwicklung und in der Produktionsweise von Großkonzernen wie beispielsweise Adidas und Volkswagen.

Drei Stufen bis zur Meisterschaft: Lernen, Entfernen, Weiterentwickeln

Agilität ist zu einer schillernden Idee geworden, die gerade aufgrund ihrer begrifflichen und definitorischen Unschärfe zu faszinieren vermag und anschlussfähig wird – auch weit über die verbrieften historischen Ursprünge des Konzepts hinaus. Tatsächlich erinnern große Teile der agilen Prinzipien an eine japanische Philosophie, die die Lernmethode Shuhari beinhaltet und in japanischen Kampfkünsten Anwendung findet. Der Weg von den Anfängen bis zur Meisterschaft ist dabei in drei Stufen eingeteilt: Lernen, Entfernen, Weiterentwickeln. Sowohl in Bezug auf das Erlernen einer Kampfkunst als auch auf die agile Entwicklung eines Teams oder eines ganzen Unternehmens meint das: erst lernen, erkennen, wahrnehmen und verstehen wie die Gegebenheiten und Regeln sind. Dann sich entfernen – freier werden und die wohlbekannten Gegebenheiten und Regeln so variieren, dass sie auf die eigenen und jeweiligen Situationen passen.

Als letzten Schritt sich weiterentwickeln: sich lösen von den Regeln und eigene Wege finden, um das Beste aus allen Gegebenheiten herauszuholen. Für die Stufen zwei und drei ist es wichtig, die Regeln und Gegebenheiten gut zu kennen und zu verstehen. Man muss erkannt haben, wann Regeln sinnvoll sind und wann Unsinn, um zu wissen, wovon man sich langsam lösen, worüber man sich hinwegsetzen oder was man im Wesentlichen verändern möchte.

Regis24 – Mut zur Reise ins Ungefähre

Die Regis24-Reise auf dem Weg zur Agilität begann klassischerweise in den IT-Teams, wo wir bereits seit 2011 bestimmte Scrum-Elemente wie Sprints und Project Owner einsetzen. Erst allmählich springt der agile Funke auf andere Abteilungen, wie die Personalabteilung, den Vertrieb und die Produktion über. Seit gut einem Jahr haben wir einen erfahrenen Scrum Master mit an Bord. Von ihm lernen wir nicht nur, Techniken und Methoden aus dem agilen Repertoire sinnvoll einzusetzen. Er bewahrt uns auch mit Weitblick davor, dass wir uns komplett verzetteln oder viel Energie auf wenig erfolgversprechende Arbeitsschritte verwenden. Vor allem aber besteht er darauf, dass wir unseren Weg zu mehr Agilität selbst entdecken: indem wir ihn beschreiten, auch ohne das Ziel ganz genau vor Augen zu haben. Denn eines ist sicher: Verordnen lässt sich Agilität – als Denk- und Handelsweise einer ganzen Belegschaft – nicht.

Wie es weitergeht

In den agilen Folgeartikeln werden wir darüber schreiben, welche Fragen wir uns selbst auf unserem Weg zum agilen Unternehmen gestellt haben, wie wir ihnen nachgegangen sind und welche Erfahrungen wir dabei gemacht haben. Wie wird man „richtig“ agil? Wie kann ein agiles Mindset von der Softwareentwicklung auf andere Unternehmensbereiche übertragen werden? Und last but not least: Bedeutet ein Mehr an Agilität eigentlich auch mehr Freude an der Arbeit?

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich im September 2017 in der 5. Ausgabe des Wallstraßenjournals.

 

Lesen Sie auch die folgenden Beiträge unserer Serie Regis24 agil:

Agile Mitarbeiterführung – die Quadratur des Kreises? Regis24 agil (2)

Kundenorientierung in der agilen Softwareentwicklung. Regis24 agil (3)

Stimmen aus agilen Regis-Teams. Regis24 agil (4)

 

 

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