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Betrug im Online-Handel durch Identitätsdiebstahl

Aurica Voss
11. Februar 2019

Der Online-Handel boomt. Und zieht immer mehr Betrüger an. Identitätsdiebstahl im Zusammenhang mit Betrug im Online-Handel ist seit Jahren bekannt. Das Problem wird aber nicht kleiner, im Gegenteil:  Internetkriminalität betrifft immer mehr Verbraucher im E-Commerce und verursacht hohe finanzielle sowie Reputationsschäden bei Online-Händlern, vom kleinen Shop bis zu großen Playern wie Zalando. Was verbirgt sich hinter Identitätsdiebstahl und Warenkreditbetrug? Wie kann man sich als Online-Händler dagegen schützen kann? Lesen Sie weiter!

 

E-Commerce und Cybercrime gleichermaßen auf dem Vormarsch

Immer mehr Menschen kaufen online ein. Dieser Trend ist auch für das vergangene Jahr 2018 deutlich sichtbar: Mit einem Jahresumsatz von 64 Milliarden Euro verzeichnete die E-Commerce-Branche einen Zuwachs von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Jeder achte Euro, der in Deutschland im Einzelhandel ausgegeben wird, entfällt mittlerweile auf Online-Einkäufe. Entsprechend groß ist das Potential für betrügerische Machenschaften in diesem Sektor. Akkurate Statistiken zu den finanziellen Einbußen durch Betrug im Online-Handel gibt es derzeit noch nicht, zumal die Dunkelziffer durch nicht aufgeklärte Internetkriminalität weit höher liegt als die Anzahl bestätigter Betrugsfälle. Laut Bundeskriminalamt gehen die durch Online-Betrug entstehenden finanziellen Schäden in den Milliardenbereich.

 

Betrug im Online-Handel durch Identitätsdiebstahl

 

Eine der häufigsten Betrugsarten im E-Commerce ist der Identitätsdiebstahl. Im Schnitt werden drei Prozent aller Online-Bestellungen als Betrug eingestuft, welcher mit gestohlenen oder erdachten Identitäten oder der Angabe falscher Anschriften einhergeht.

Was versteht man unter Identitätsdiebstahl und wie passiert er?

Als Identitätsdiebstahl wird die missbräuchliche Nutzung personenbezogener Daten einer natürlichen Person durch Dritte bezeichnet. Im Klartext: Betrüger bestellen in Online-Shops mit der gestohlenen Identität Waren auf Rechnung und lassen sich diese an Paketstationen oder leerstehende Wohnungen liefern, freilich ohne die Rechnung jemals zu bezahlen.

Für die Aneignung einer fremden Personenidentität reichen oft schon der Name und das Geburtsdatum einer Person oder der Nutzername und das Passwort. Wie aber gelangen die Betrüger an solche Daten? Die Risiken sind vielfältig: Weit verbreitet ist das sogenannte Phishing. Mithilfe von gefälschten Websites, E-Mails oder Kurznachrichten versuchen Betrüger, an die persönlichen Nutzerdaten zu gelangen. Ungesicherte Internetverbindungen oder Schadsoftware sind ebenfalls potenzielle Gefahrenquellen. Aber auch in der analogen Welt wird geklaut – beispielsweise durchsuchen Betrüger den Papiermüll nach entsorgten Briefen, die persönliche Daten enthalten.

Sehr beliebt beim Betrug im Online-Handel ist die Verwendung der Identität von Prominenten, Politikern, Journalisten oder Künstlern. Die persönlichen Daten sind meist öffentlich zugänglich und eine gute Bonität ist quasi gesichert.

Wie funktioniert der Betrug mit fremden Identitäten in Online-Shops?

Die aus der Sicht des Händlers unsichere Bezahloption „auf Rechnung“ ist eine der Hauptursachen für den wachsenden Erfolg von webbasiertem Betrug. Im Online-Handel stellt sie die beliebteste Bezahloption dar – und ist gleichzeitig am risikoreichsten für den Händler. Denn diese Methode eignet sich bestens, den Online-Händler zu prellen.

Betrug im Online-Handel durch IdentitätsdiebstahlBeim Kauf auf Rechnung kann die Ware vom Betrüger einfach an eine abweichende Lieferadresse umgeleitet werden, ohne dass die Rechnung jemals beglichen wird: Der Händler bleibt auf der unbeglichenen Rechnung sitzen und die Ware ist ebenfalls weg.

 

Die Folgen für Verbraucher und Händler sind gravierend

Im Falle des Kaufs auf Rechnung, welcher mit einer gestohlenen Identität getätigt wird, gibt es zwei Szenarien für die Opfer des Betrugs: Die Rechnung erhält entweder die Person direkt, die dem Identitätsdiebstahl zum Opfer gefallen ist. Dieser Person entsteht in der Regel kein finanzieller Schaden, da sie nicht beweisen muss, den Kauf nicht getätigt zu haben und sie daher nicht zur Begleichung der Rechnung gezwungen werden kann.

Lässt der Betrüger hingegen die Rechnung ebenfalls an die abweichende Lieferadresse senden, entdeckt diese Person den Betrug unter Umständen erst, wenn sie bereits zu einem vermeintlichen Schuldner geworden ist und ein Mahnverfahren gegen sie eingeleitet wurde, gefolgt vom Eintrag ins Schuldnerverzeichnis und schlimmstenfalls dem Ergehen eines Haftbefehls. Als Online-Händler sieht man sich gezwungen, diesen Prozess anzustoßen, da zunächst nicht erkennbar ist, ob oder dass ein Identitätsdiebstahl zugrunde liegt. Zusätzlich zum finanziellen Schaden ist nun auch die Reputation des Shops beschädigt.

Wie kann ich mich als Online-Händler vor Betrug schützen?

Die Grade der Risikosteuerung variieren in ihrer Feinheit und unterliegen klar dem Abwägen zwischen Bestellkomfort für den Kunden und Sicherheitsvorkehrungen für den Online-Händler, beispielsweise strengeren Regeln bei der Kaufabwicklung.

An sich kann in vielen Fällen die Gefahr von Betrug im E-Commerce einfach eingedämmt werden, indem die Zahlart „auf Rechnung“ gar nicht oder nur ausgewählten Kunden angeboten wird. Eine weitere Maßnahme ist es, Paketstationen als Lieferadresse nicht zu erlauben oder bei Erstkäufern nur den Versand an die Rechnungsadresse zuzulassen. Für den Online-Händler droht hierbei jedoch die Gefahr signifikanter Umsatzeinbußen durch einschränkende, verlangsamende oder umständliche Maßnahmen, denn auch rechtschaffene Käufer werden abgeschreckt.

 

Betrug im Online-Handel durch Identitätsdiebstahl

 

Effektives Risikomanagement ist eine Gratwanderung, aber entscheidend

Weiter verfeinert werden kann der Schutz mithilfe von datengestütztem Adressmanagement, beispielsweise der Anschriftennormierung, sowie implementierten Systemen, die bei verdächtigem Bestellverhalten eine Warnmeldung herausgeben. Über Machine Learning und Datenanalyse-Tools können Auffälligkeiten beim Kaufverhalten, etwa die durchschnittliche Verweildauer im Shop, bisherige Einkäufe und Zahlungsmoral ausgewertet und so Betrugsmuster erkannt und betrügerische Aktivitäten rechtzeitig unterbunden werden.

Risikomanagement ist maßgeblich für jeden Online-Händler und erfordert nicht nur den Einsatz von Programmen für Betrugserkennung, sondern auch aufmerksame MitarbeiterInnen, die nah am Kunden und am Bestellprozess sind. Viele Lieferungen in kurzer Zeit an dieselbe Adresse sind ebenso auffällig wie Bestellungen, die von verschiedenen Personen vorgenommen werden, aber an dieselbe Adresse geliefert werden sollen, oder abrupte Änderungen der Lieferadresse eines Kunden.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Betrug durch Identitätsdiebstahl im Online-Handel gibt es leider nicht. Doch ein kluges, wachsames und ausgewogenes Risikomanagement wird Ihnen dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit für Betrugsversuche in Ihrem Online-Shop zu reduzieren.

Nehmen Sie jetzt Kontakt zu uns auf und lassen Sie sich von unseren Experten zu vorbeugenden Maßnahmen wie unserer Anschriften- oder Namennormierung beraten.