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Die API: Ein zentraler Impulsgeber für das digitale Neugeschäft

Aurica Voss
11. September 2019

Die „APIfizierung“ ist in aller Munde. Vor einigen Jahren noch als Programmierschnittstelle lediglich eingeweihten „Nerds“ bekannt, setzt die API heutzutage einen klaren Trend in Unternehmen, der die Richtung in ein digitales Ökosystem weist. Was ist eine API eigentlich genau und welchen Nutzen bringt sie? Wir erläutern: Funktionsweise, Bedeutung und Chancen.  

Ein Netzwerk, das Unternehmen zukunftsfähig macht 

Was macht die API so spannend und zukunftsweisend? Früher galt sie als bloße Programmierschnittstelle zwischen zwei Systemen innerhalb desselben Unternehmens beziehungsweise einer lokalen Infrastruktur. Das hat sich enorm gewandelt. Bei dieser Art des Informationsaustausches geht es längst nicht mehr um eine reine Schnittstellenintegration zur Anbindung von Software.

TL;DR?

Wir haben einen handlichen "API-Guide" für Sie vorbereitet: HIER downloaden.

 

Der Einzug der Cloud-Technologie und zeitgemäße Agilitäts- und Marketing-Konzepte, die eine attraktive User Experience in den Mittelpunkt stellen, sowie eine stetig wachsende Vernetzung im digitalen Zeitalter, haben die API zu einem wesentlichen Bestandteil dieser Entwicklung werden lassen. Bestimmte fachliche Kompetenzen müssen nicht mehr im eigenen Unternehmen aufgebaut werden, wenn sie keinen Teil der Wertschöpfungskette darstellen, sondern können an darauf spezialisierte Partner ausgelagert werden. Das Besondere dabei an der API: Verschiedene Partner mit ihren jeweiligen Kernkompetenzen bilden ein Netzwerk, können automatisiert, sofort und ohne Transaktionskosten in die eigene Wertschöpfungskette integriert und so auch  kurzfristig für einzelne Operationen  eingesetzt werden.   

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Die 1-Click-Bestellung von Amazon, beispielsweise, stößt eine Reihe von Prozessen innerhalb und außerhalb des Shopping-Giganten an. Diese erlaubt es dem Kunden, eine Transaktion – nach einmaliger Registrierung – ohne weitere Bestätigungen und Umwege mit einem Klick abzuschließen. So können auf Basis von API-gestützten Geschäftsprozessfunktionen immer neue Geschäftsprozesse und Produkte entwickelt und global bereitgestellt werden. Durch die Wiederverwendung dieser Funktionen auch außerhalb der unternehmensinternen IT-Infrastruktur werden Unternehmen in die Lage versetzt, zu Plattformen zu werden, deren Partner unabhängig voneinander eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen. Diese Art von Netzwerk wird API Economy genannt.

Gehen wir zunächst noch einmal einen Schritt zurück und fragen uns 

Worüber reden wir bei einer API und was unterscheidet sie von anderen Schnittstellen? 

First things first: Das Akronym API steht für Application Programming Interface, also für eine Schnittstelle zur Programmierung von Anwendungen, die unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem funktioniert.  

Regis24_Blog_Apis_Klavierspieler_Piano_500pxDurch eine Schnittstelle wird die Kommunikation zwischen zwei Systemen möglich gemacht. Im Alltag begegnen uns Schnittstellen nahezu überall. Unsere Sinnesorgane und unsere Hände sind Schnittstellen zwischen dem Gehirn und der externen Welt. Beim Klavierspielen verwandeln wir abstrakte Notensysteme auf dem Papier über unsere Finger auf der Tastatur in klangvolle Musikstücke.

Schnittstellen im IT-Bereich ermöglichen den Austausch sowohl zwischen Software- als auch Hardwarekomponenten: So dient beispielsweise eine USB-Buchse als Universalschnittstelle zur Übertragung von Informationen zum Datenaustausch. Was aber macht Schnittstellen nun für das moderne Business so relevant? Um das zu verstehen, werfen wir zunächst einen technischen Blick auf die Materie.

In der Computerwelt wird zwischen User Interface (UI) oder Graphical User Interface (GUI) und dem oben genannten Application Programming Interface unterschieden. 

Das User Interface stellt eine visuelle, menschenlesbare Oberfläche – das Frontend – dar, die als Schnittstelle zwischen dem Anwender dieser Oberfläche und dem dahinterliegenden Programm – dem Backend – dient. Beim Application Programming Interface handelt es sich um eine maschinenlesbare Entsprechung, bei der auf die Features einer Applikation nicht über eine grafische Benutzeroberfläche, sondern über einen Befehlsaufruf und Programmcode zugegriffen wird.

Dieser wiederum kann modular programmiert werden. Die API definiert die Form, in welcher die Daten und Inhalte vom Anwendungsmodul entgegengenommen und wieder zurückgesendet werden. Der automatisierte Austausch findet hier nicht wie bei UI beziehungsweise GUI zwischen Mensch und Maschine statt, sondern zwischen zwei Maschinen.

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Aus dem modernen Programmieren ist die API nicht mehr wegzudenken 

Immer komplexer werdende Softwaresysteme können mithilfe von APIs in einzelne Programmteile zerlegt werden. Durch diese Modularisierung wiederum kann gleichzeitig die Nutzung multidimensionaler Software vereinfacht und die Gesamtstruktur von Systemen oder Programmen deutlich geordneter aufbereitet werden. Das macht sie weniger fehleranfällig und leichter wartbar, denn fehlerhafte Funktionen ziehen keine Überprüfung der gesamten Software nach sich, sondern lediglich die des betroffenen Moduls. Zudem können einzelne Programmierarbeiten ausgelagert werden: an spezialisierte Digitalagenturen oder freiberufliche Entwickler. Im Unternehmen können so Kosten und Ressourcen gespart werden. 

Mit der Bereitstellung einer API geht in der Regel eine ausführliche Dokumentation einher, die die einzelnen Funktionen, die genaue Syntax und mögliche Parameter, aber auch Beispielcode und konzeptionelle Informationen beinhalten kann. Dabei kommt dem Aufbau, Umfang und der Struktur einer solchen Dokumentation große Bedeutung zu. In Programmiererkreisen wird dies freilich mit harten Bandagen diskutiert: Die Meinung, dass guter Code keiner weiterer Erklärung bedürfe, ist weiterhin verbreitet (siehe dazu: Parson, Clean Coding). 

Die API ist also prinzipiell eine Schnittstelle, die ein Softwaresystem bereitstellt und verfügbar macht, wodurch dieses in andere Programme integriert werden kann. Unterschiedliche Software-Module können unabhängig voneinander erstellt werden und miteinander kommunizieren. Das macht die Programmteile anpassungsfähig und individuell nutzbar. 

Eine Spezialform stellen sogenannte Webservices oder Web-APIs dar. Hierbei handelt es sich um Schnittstellen für und von Websites und Webapplikationen, die verschiedene benutzerorientierte Dienste sowie den Austausch von Daten und Funktionalitäten über ein Netzwerk anbieten, sogenannte öffentliche APIs. Die Programmiersprache ist dabei unerheblich, da der Austausch unabhängig von ihr erfolgt. 

Wo und mit welchem Nutzen begegnet uns die API im Alltag? 

Öffentliche beziehungsweise Web-APIs begegnen jedem von uns täglich mehrfach und meist ohne, dass wir dies überhaupt wahrnehmen, etwa in Online-Shops oder Content-Management-Systemen. In Online-Shops kommt der API eine immer größere und zudem anschauliche Bedeutung zu.  

Vom Login-Prozess über die Auswahl der Bezahlmethode bis zum Versanddienstleister und Shop-Bewertungssystem sind sehr viele Vorgänge Dienste von Drittanbietern, die per API in das Softwaresystem eines Online-Händlers eingebunden sind: Davon profitieren alle Beteiligten. Was einem als Single Sign-On und PSP vielleicht erst einmal kein echter Begriff ist, liegt heutzutage jeder Bestellung in einem Online-Shop zugrunde. Dass das Zusammenspiel all dieser verschiedenen Services reibungslos funktioniert und dem Online-Händler erlaubt, sich auf seine eigentlichen Kompetenzen zu fokussieren - jenseits von User-Verwaltung oder Buchhaltung - wird eben überhaupt erst dadurch ermöglicht, dass viele dieser Services dank großflächiger Standardisierung mit verhältnismäßig wenig Aufwand in Software-Systeme eingebunden werden können.

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Auch als Schnittstellen zur Authentifizierung und Autorisierung gewinnt die Web-API eine immer größer werdende Bedeutung. Eine einzige User-Identität ist durch APIs wie Facebook Connect oder OpenID Connect für verschiedene Portale oder Services nutzbar, ohne dass dort eine eigene User-Verwaltung oder separate Login-Daten benötigt werden.  

APIs von Online-Kartendiensten wie Google Maps machen Karten erst interaktiv und nutzbar. Laut Google-Maps-Expertin Linda Schaumburg ist die “Directions API” eine der am häufigsten genutzten Schnittstellen in diesem Sektor. (Lesen Sie hier das Interview.) Sie nennt die optimale Route von A nach B sowie die damit verbundene geschätzte Reisedauer und zeigt Wegbeschreibungen zwischen Standorten an. Solche APIs von Online-Kartendiensten können Unternehmen unterstützen, die Anwendungen  für Routenplanung anbieten. Es gibt diverse solcher Anwendungen, zum Beispiel Komoot, eine Navigations-App für Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Fahrradtouren (die für den Login übrigens Facebook Connect nutzt).

Mit der API verfügen Unternehmen also über ein wichtiges Werkzeug, um Kunden und Partnern ein optimales Angebot an flexiblen Diensten und Lösungen anbieten zu können, die transparente, effiziente und kostensparende Prozesse und sogar neue Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle ermöglichen. 

Die API als Motor der digitalen Transformation 

Heutzutage entwickeln sich rund um die Entwicklung und Nutzung der API und deren immer dichtere Vernetzung ganz eigene Ökosysteme, in denen mehrere Softwaresysteme mithilfe von APIs zu einem Gesamtsystem kombiniert werden, zu einem Kompetenznetzwerk hochspezialisierter Partner. 

Solche digitalen Ökosysteme setzen eine Öffnung der unternehmenseigenen Anwendungs- und Datenlandschaft gegenüber Kunden und Partnern voraus und erneuern die früher übliche Zusammenarbeit durch strategische Kooperationen und Partnerschaften. Kompetenzen und Services können vom Unternehmen als Softwarekomponenten entwickelt, zu den individuellen Bedürfnissen entsprechenden Lösungen kombiniert und für die gemeinsame Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus können Partner und Drittanbieter einzelne Funktionen selbst (weiter-)entwickeln, was neben der ohnehin schon gegebenen hohen Flexibilität auch noch klare Wettbewerbsvorteile mit sich bringt.  

Man spricht von einer sogenannten API Economy: netzförmigen Marktabläufen und -strukturen, in welchen mithilfe von APIs Daten, Ressourcen und Anwendungen im Prinzip überall angewendet und sogar zu neuen Geschäftsmodellen kombiniert werden können. So wird die API zum bedeutenden Initiator des digitalen Neugeschäfts und verbindet Unternehmen und ihre Partner. 

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Eine Chance fürs Neugeschäft 

Neben allem, was hier zu den positiven Effekten der API und deren Vernetzung in der digitalen Welt schon gesagt wurde, steht im Mittelpunkt die Erkenntnis, dass sie zweifellos langfristige Chancen und neue Geschäftsmodelle bietet und die unternehmerische Landschaft schon jetzt stark prägt und weiter verändert. 

Die Erwartungen und Anforderungen an Unternehmen, Organisationen, die Finanzbranche sowie Dienstleistungs- und Konsumgüteranbieter werden größer. Alles soll schnell gehen und unmittelbar passieren, zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt.  

Es steigt die Nachfrage nach externen Kompetenzen, auch, weil es sich immer weniger lohnt, diese Kompetenzen selbst aufzubauen – sie können problemlos aus dem API-Markt bezogen und ins eigene System integriert werden. 

Damit sorgen APIs dafür, dass interne Prozesse vervollständigt werden, und Flexibilität, Kostenkontrolle sowie Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen gewährleistet sind, nicht zuletzt durch eine gemeinsame (Entwickler-)Sprache, die eine wesentlich effizientere Kooperation ermöglicht. 

Am Ende dieser Entwicklung stehen unabhängige Partner vor einer Auswahl verschiedener Dienste, die sie jederzeit an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können, anstatt an ein System gebunden zu sein. Das ist im Sinne zumindest einer höchst attraktiven Customer Experience und fördert folglich die hohe Nachfrage innerhalb der API Economy.