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Future Now: Wie menschlich wird die KI?

13. November 2018

 

Der Aufbau und die Pflege von Kundenbeziehungen sind in unserer Dienstleistungsgesellschaft von elementarer Wichtigkeit für den Unternehmenserfolg. In welchem Maße können an diesem neuralgischen Punkt bereits heute Algorithmen und Maschinen die Arbeit erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen oder diese gar ersetzen? Wie menschlich sind heutige KI-Systeme und wie menschlich sollen sie werden?

Abbildung: Future Heads © Geralt / Pixabay

Diese und andere Fragen wurden bei einer von Google for Startups und der Techie-Konferenz TOA (Tech Open Air) ausgerichteten Podiumsdiskussion zum Thema „Humanising AI“ am 8. November in der Factory, einem Berliner Start-up-Campus, erörtert. Dabei wurde deutlich: Das Vertrauen der Fachwelt in das Potenzial der KI ist riesig. Das ist insofern kein Wunder, als dass alle drei geladenen Diskutanten junge, florierende Technologieunternehmen repräsentierten, die ihren Erfolg maßgeblich der Entwicklung und dem Einsatz von Algorithmen verdanken:

  • Ilya Endrekin ist CTO beim mehrfach preisgekrönten Start-up i2x, dessen Software in Echtzeit Gespräche analysiert und insbesondere Vertriebsteams dabei unterstützt, Kundenkommunikation effizient zu gestalten;
  • Darja Gutnick ist Mitgründerin und CEO bei Bunch, einer Team-Management-Plattform, die wachsenden Unternehmen hilft, eine starke Kultur zu entwickeln, die Leistung zu erhöhen und die besten Talente zu gewinnen;
  • Erik Pfannmöller ist ehemaliger Weltmeister im Kanuslalom sowie Gründer und CEO von Solvemate, einem Start-up, das den Kundensupport durch selbstlernende Chatbots automatisiert.

Angenehm an dem Gespräch war, dass hauptsächlich von Machine Learning und weniger vom überstrapazierten Begriff der Künstlichen Intelligenz die Rede war. Die Diskussionsteilnehmer warfen einen realistischen, fast schon nüchternen Blick auf das Thema – ohne in einen Hype abzugleiten oder die Zuhörer mit übermäßig vielen Buzzwords zu bombardieren. Es wurden verschiedene Formen maschinellen Lernens gegeneinander abgegrenzt und ihr jeweiliger Zweck klar herausgestellt. So könnten selbstlernende Systeme etwa dabei helfen, Dashboards und Userinterfaces von CRMs den persönlichen Bedürfnissen des Nutzers anzupassen oder eben die Kommunikation mit Kunden zu verbessern.

Klare Grenzen zwischen KI und Mensch?

Als das eigentliche Thema, nämlich das Verhältnis zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz, in das Blickfeld rückte, waren sich alle rasch einig: Kein KI-System, wie beispielsweise ein Chatbot, sollte jemals vorgeben, ein Mensch zu sein. Ebenso wichtig war es allen, darauf hinzuweisen, dass intelligente, selbstlernende Maschinen uns Menschen zukünftig vor allem zeitraubende repetitive Tätigkeiten abnehmen werden, so dass wir uns auf anspruchsvollere und spannendere Aufgaben konzentrieren können. Insgesamt werde Machine Learning der Menschheit dabei helfen, kognitive Fehler, irreführende Verallgemeinerungen, Fehl- und Vorurteile zu reduzieren.

Freilich könnte es künftig durchaus schwieriger werden, Mensch und Maschine klar voneinander abzugrenzen, da sich die Künstliche hinsichtlich ihres Leistungsspektrums der biologischen Intelligenz mehr und mehr annähert. Die Zukunft liegt für Ilya Endrekin, der vor seinem Einstieg bei i2x für die größte russische Suchmaschine Sprachtechnologien entwickelt hat, in der Verschmelzung von Machine Learning und Neurowissenschaften. Darja Gutnick verwies in dem Zusammenhang auf ein Unternehmen, von dem man ihrer Einschätzung nach noch sehr viel hören werde: Die dem Bostoner MIT entsprungene Technologiefirma Affectiva mache Gefühle messbar und arbeite daran, Computern emotionale Intelligenz beizubringen.

KI-Einsatz mit Augenmaß gefordert

Abschließend forderte das Podium geschlossen mehr und bessere Standards sowie die Etablierung vergleichbarer Methoden beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning in Unternehmen, Staaten oder NGOs. Auf diesem Gebiet hat sich jüngst allerdings einiges getan: So wurde im Frühjahr von den EU-Mitgliedsstaaten eine Erklärung zur Kooperation auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz unterzeichnet, und im September hat sich die Enquete-Kommission des Bundestages „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ konstituiert. Sie soll unter anderem untersuchen, wie KI in den Dienst der Gesellschaft gestellt und ihre Risiken minimiert werden können. Der spanische Telekommunikationskonzern Telefonica wiederum machte vor wenigen Tagen von sich reden, indem er sich als eines der ersten Unternehmen weltweit ethische Richtlinien für die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verpasst hat.

 

 

Quelle Abb. 1 (oben): © Geralt / pixabay.com

Quelle Abb. 2 (unten): © Regis24 GmbH