Kundenorientierung in der agilen Softwareentwicklung (3/4)

21. August 2018

Regis24 ist als Unternehmen schon seit mehreren Jahren vom klassischen Wasserfallmodell, bei dem verschiedene Projektphasen aufeinander aufbauen, zur agilen Softwareentwicklung übergegangen. Die Teams arbeiten nach der sogenannten Scrum-Methode. Im Kern steht dabei die Selbstorganisation; im Zweiwochentakt wird ein Stück Software ausgeliefert, das für den Kunden ein Problem löst oder mindestens einen Mehrwert stiftet. So weit, so herausfordernd. Darüber hinaus haben wir die Entwicklung neuer Produkte eng an den Kundenbedürfnissen  ausgerichtet, indem wir das noch in der Entwicklung befindliche Produkt mit einer Reihe Pilotkunden testen und  gemeinsam vervollkommnen.

Regis24 Agilität

Warum ist Kundenorientierung in der agilen Softwareentwicklung so wichtig?

Dank des Internets sind Kunden, auch im Business-to-Business-Umfeld, heutzutage viel informierter als noch vor 20 Jahren. Sie kennen die marktüblichen Preise, vergleichen verschiedene Anbieter und setzen Qualität und Zuverlässigkeit voraus. Das macht sie zu kritischen und anspruchsvollen Konsumenten, die von Unternehmen die Berücksichtigung ihrer spezifischen Anforderungen und die gezielte Befriedigung ihrer Bedürfnisse erwarten. Die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen stehen vor der Herausforderung, mit einem Angebot auf den Markt zu kommen, das bereits die Anforderungen und Wünsche der anvisierten Zielgruppe in sich trägt.

Vor diesem Hintergrund erscheint die klassische Softwareentwicklung nicht mehr zeitgemäß: Oft vergehen zwischen dem Beginn der Planung und dem ersten Release mehrere Monate, manchmal sogar Jahre. Der lange Zeitraum resultiert unter anderem aus einer Vielzahl von Dokumentations- und Planungsschritten in der Konzeptionsphase: Vorgesehen sind zunächst ein sogenanntes Lastenheft (enthält die Kundenanforderungen) und eine Projektkalkulation, dann ein Projektplan, ein Pflichtenheftinklusive Produktmodell und schließlich ein Systementwurf, bevor das eigentliche Programmieren losgehen kann. Zu den offensichtlichsten Nachteilen einer solchen Herangehensweise zählen die kostspielige Implementierung von nachträglichen Änderungswünschen, der vergleichsweise lange Zeitraum zwischen Idee und fertigem Produkt sowie die fehlende Nähe zum Kunden, die dazu führen kann, dass das Arbeitsergebnis nicht den Anforderungen des Kunden entspricht – was in Zeiten sich rasant verändernder Marktbedingungen kein geringes Problem darstellt. Agile Methoden wollen vor allem hier Abhilfe schaffen.

Einbeziehung des Kunden in die Produktentwicklung

Bei Regis24 müssen die Kunden nicht mehr wie früher mehrere Monate auf ein neues Produkt warten, sondern können als Pilotkunden selbst an der Entwicklung partizipieren. Startpunkt ist die gemeinsame Definition eines sogenannten minimum viable product (MVP), das bei minimaler Funktionalität ein bestimmtes Problem des Kunden löst. Wichtig ist dabei, dass sich die Entwicklungspartner vor Beginn der Entwicklungsphase darauf einigen, wann das Produkt ein Erfolg ist und wie genau dieser gemessen werden kann. Am besten gelingt diese Erfolgsdefinition auf der Grundlage von Thesen, die zusammen mit dem Kunden aufgestellt werden und dann nach Messung der Erfolgsparameter verifiziert oder falsifiziert werden. Direkt nach dem Release des Produktes startet die Messphase. Bereits nach wenigen Tagen sollte eine Tendenz erkennbar sein, belastbare Ergebnisse liegen meistens nach etwa zwei bis drei Monaten vor. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bereits nach wenigen Wochen haben wir die Gewissheit, ob ein Produkt das identifizierte Kundenproblem löst oder nicht.

Im Falle einer Falsifizierung der aufgestellten Thesen kann das Produkt entweder in abgewandelter Form mit angepassten Thesen in einen neuen Testlauf gehen oder man startet mit einer neuen Produktidee. Wenn die Produktidee im Testbetrieb positive Resonanz erzeugt und alle Erfolgsparameter den definierten Schwellenwert übertreffen, geht es um die Frage, ob der Funktionsumfang des MVP bereits für einen offiziellen Produktstart ausreicht oder ob noch weitere Funktionalitäten entwickelt werden sollen. Ein guter Startpunkt für solche Überlegungen ist der offene Dialog mit den ausgewählten Pilotkunden. Sie können Auskunft darüber geben, ob der ausgelieferte Funktionsumfang für den Normalbetrieb ausreichend ist oder noch Ergänzungen notwendig sind. Die Business-Entscheidung liegt natürlich in den Händen der Firma, die Kunden liefern ihre Rückmeldung für eine informierte Entscheidung.

Bei Regis24 hat die beschriebene Vorgehensweise die Softwareentwicklung grundlegend verändert. Durch die Kundennähe gewinnen wir sehr schnell einen Eindruck davon, welche Produktideen es lohnen, weiterverfolgt zu werden und welche besser verworfen werden. Das spart natürlich Kosten. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir als kleines Unternehmen mit einer überschaubaren Anzahl an Softwareentwicklern durch Kundenorientierung immer die richtigen Dinge tun. Freilich entspricht die Rückmeldung nicht immer genau dem, was wir gerne gehört hätten. Aber genau deswegen bringt sie uns immer einen entscheidenden Schritt weiter.

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Juli 2018 in der 10. Ausgabe des Wallstraßenjournals.

 

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