„Ich war schon immer eine Rampensau!“ Ulli Lange, HR Managerin, im Interview

06. März 2020

Du bist schon seit bemerkenswerten 15 Jahren bei Regis24. Was hast du in dieser Zeit alles im Unternehmen gemacht?

Mein Einstieg war – wie bei vielen Regisianer*innen, die schon sehr lange hier arbeiten – die Datenerfassung in der Produktion. Als Studentenjob war das super, weil damals alles sehr flexibel war. Es gab schon immer die Möglichkeit, mehr und andere Aufgaben zu übernehmen, wenn daran Interesse bestand. 

Als dann 2009 mit Gamal Moukabary ein neuer Geschäftsführer zu uns kam und er ein ganz neues Verständnis von Struktur bei Regis etabliert hatte, entstand unter anderem ein Qualitätsteam. In diesem wurde ich erst Mitarbeiterin und später auch Teamleiterin – inzwischen mit Studienabschluss und zwei Kindern. Und obwohl ich mich nach meinem Abschluss eigentlich neu orientieren wollte, bin ich bei Regis geblieben. Vielleicht, weil ich hier immer wieder Neues machen konnte: Nach der Leitung des Qualitätsteams übernahm ich die Leitung unseres damals größten Teams, des Erfasserteams – in dem ich selbst einmal angefangen hatte. Seit Mitte 2019 bin ich nun in der HR tätig – was noch einmal ganz neue und spannende Möglichkeiten bietet.

Aber auch jenseits meiner konkreten Rollen konnte ich bei Regis unglaublich viel ausprobieren: als Sparringspartnerin und Support in der Abteilungsentwicklung, als Dozentin und Workshopleiterin in der Personalentwicklung, als Changemanagerin in der Organisationsentwicklung, als Mediatorin in der Konfliktbegleitung, in Elternzeitvertretung als Executive Assistance und noch so Vieles mehr.

Wie nimmst du die Entwicklung von Regis24 wahr?

Regis verändert sich, seitdem ich dabei bin. Veränderung ist aber kein Selbstläufer. Sie wird unterschiedlich aufgenommen und nicht immer wird sie als natürlicher und notwendiger Prozess empfunden. Einige Veränderungen bei uns bringen sicherlich deutliche Einschnitte mit sich. Sie sind aber auch wichtig: Nicht nur, damit Regis sich weiterentwickeln, sondern damit das Unternehmen schlicht und ergreifend weiterbestehen kann. Das gilt für Personalprozesse ebenso wie für die Schritte in die Cloud. Bei aller Veränderung soll eine Sache natürlich konstant bleiben: dass Regis als Arbeitgeberin Menschen versammelt, die Lust auf ihren Job haben, die sich committen, und die wertschätzend, positiv und offen aufeinander zugehen und miteinander arbeiten wollen.

Gibt es Erkenntnisse oder Erlebnisse im Zusammenhang mit Regis24, die dich geprägt haben?

Erstens: Meritokratie. Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, wie und ob sie in anderen Unternehmen thematisiert wird – ich kannte nicht einmal das Wort. Es war einfach so, dass man bei uns neue und andersartige Aufgaben übernehmen durfte, wenn man Lust darauf hatte, selbst, wenn man keine dazu passende Ausbildung, keine Bescheinigung, kein Studium nachweisen konnte. Und immer, wenn ich Freunden und Bekannten von meinem Werdegang bei Regis erzählt habe, gab es ähnliche Reaktionen: Verwunderung, Erstaunen, Unglaube. Da habe ich gemerkt, dass das nicht so selbstverständlich ist, wie es sich für mich schon immer angefühlt hat. Und ich bin ja kein Einzelfall.

Die meisten, die schon ähnlich lange bei Regis sind wie ich, haben vergleichbare Entwicklungen erlebt. Das ist eine sehr befreiende und bereichernde Erfahrung: Wenn ich jetzt in der HR auf Lebensläufe schaue, die unkonventionell sind, fällt es mir leicht, die Möglichkeiten zu sehen, die anderen Augen vielleicht verborgen bleiben. Das hat mit den Chancen zu tun, die mir gegeben wurden. Sie haben auch meine geistige Flexibilität gefördert.

Geistige Flexibilität bringt mich dann auch gleich zu dem zweiten Punkt: Agilität. Ein Wort, eine Idee, eine Haltung – ein Was-auch-immer, an dem ich mich wirklich lange gerieben habe. Ich fand es albern, dass darum so ein Hype gemacht wurde. Aber nachdem ich angefangen hatte, mich mehr oder weniger intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, hat es für mich „Klick” gemacht. Und obwohl ich aus eigener Erfahrung weiß, dass agiles Arbeiten nicht für jeden und jede ist, macht heute für mich persönlich nicht-agiles Arbeiten keinen Sinn mehr. Das heißt, Agilität – oder das, was ich darunter verstehe, – durchdringt alles, was ich mache.

Ich muss verstehen, in welchem Zusammenhang meine Arbeit und das große Ganze stehen. Ich brauche Transparenz und muss selbst transparent sein. Ich muss beweglich bleiben und offen dafür sein, Dinge anders zu machen. Für die beste Entscheidung, den besten Weg, den besten Prozess, die beste Lösung, braucht es alle möglichen Perspektiven auf die Ausgangssituation. Je früher wir alle Beteiligten einbinden, desto schneller kommen wir ans Ziel. Agilität bedeutet für mich aber auch, Dinge auszuprobieren und vielleicht auch wieder zu verwerfen, wenn sie nicht oder auch nicht mehr funktionieren. Und ganz grundsätzlich funktioniert Agilität nicht ohne Verantwortungsübernahme jeder und jedes Einzelnen.

Wenn es das gibt: Was ist aus deiner Sicht die „geheime Formel“ für eine positive Firmenkultur?

Ich glaube nicht an eine geheime Formel. Das klingt so einfach und als ob es eine Garantie geben könnte. Es gibt viele Dinge, die man richtig oder falsch machen kann und ich glaube, Vieles hat damit zu tun, wie sich das Management positioniert, was es vorlebt und was es duldet.

Aus meiner Sicht trägt das Management die Verantwortung dafür, eine vertrauensvolle Atmosphäre mit einer positiven Fehlerkultur und respektvollem Umgang zu schaffen. Im Gegenzug braucht es aber auch Mitarbeiter*innen, die Lust auf mehr als „Nine-to-five”-Routine haben. Der Raum muss da sein für Kreativität, Austausch und Spaß, und es braucht Menschen, die diesen Raum wahrnehmen und ausfüllen.

Aktuell steht das Thema „Purpose“ im Arbeitskontext sehr hoch im Kurs, also der Anspruch beziehungsweise der Wunsch, eine sinnstiftende Tätigkeit auszuführen und in einem Unternehmen zu arbeiten, welches für bestimmte Werte einsteht und Ziele verfolgt, die über Profitabilität hinausgehen und im gesellschaftlichen Kontext einen Mehrwert bringen. Was ist deine Meinung dazu?

Hm, für mich hat sich die Sinnfrage im Arbeitskontext so nie gestellt. Ich verstehe, was Menschen dazu bringt, diesen Anspruch an die eigene Arbeit, das eigene Tun zu haben, und ich schließe mich davon auch nicht so ganz aus: Ich habe auch gerne das Gefühl, dass die Arbeit, die ich tue, zu irgendetwas nütze ist. Und mir gefällt es, dass Regis sich engagiert.

Aber es geht für mich viel mehr darum, wie ich in dem, was ich tue, aufgehen kann, wie ich meinen Job ausfüllen und einen Purpose reinbringen kann. Wenn ich mich engagiere, kann ich etwas bewegen und verändern, ich kann andere damit anstecken. Für mich geht es mehr um die eigene Haltung.

Du hast bei Regis viele Leute kommen und gehen sehen. Gibt es etwas, das aus deiner Sicht stetig geblieben ist?

Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Leute, die gehen, hinterlassen eine Lücke, sie hinterlassen offene Themen, gebastelte Prozesse, starke Eindrücke, gemeinsame Erlebnisse, ein Stück von sich selbst. Aber sie machen immer auch Platz: für Neues, für andere Herangehensweisen, für frische Impulse. Das erfordert von den Dagebliebenen die Bereitschaft, sich neu einzulassen. Und das ist nicht immer einfach – ich habe einige Leute gehen lassen müssen, die für mich so stark mit Regis verwoben waren, dass ich mir eine Zukunft ohne sie nicht vorstellen konnte. Diese Erfahrungen machen Abschiede für mich nicht leichter, aber sie geben mir die Zuversicht, dass es auch anders gehen kann. Und dass es keine Beurteilung wie „besser” oder „schlechter” braucht, weil es nicht besser oder schlechter wird, sondern einfach anders weiter geht.

Was ist für dich der größte Benefit daran, bei Regis24 zu arbeiten?

Ich komme an den allermeisten Tagen gerne zur Arbeit. Ich arbeite hier an Themen und mit Menschen, die mir am Herzen liegen.

Wenn es eine Sache bei Regis24 gäbe, die du mittels einer Superzauberkraft sofort ändern könntest, welche Sache wäre das?

Seitdem ich mit meinen Kindern „Wildschwein Walther“ von der großartigen Elizabeth Shaw gelesen habe, bin ich vorsichtig mit solchen Wünschen… Wir wissen am Ende ja nicht, was womit zusammenhängt und was passiert, wenn ich an einem bestimmten Schräubchen drehe. Ich bin dafür, alles so anzunehmen, wie es ist, nicht auf göttliche Superheldeneingriffe zu hoffen, sondern die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Und so platt es auch klingt, so wahr ist es doch: Meist ist ja der Weg das Ziel.

Was machst du gerne, wenn du Feierabend oder Wochenende hast?

Als ausgesprochener Familienmensch verbringe ich viel meiner Freizeit mit ebendieser. Zum Glück gibt es an unserem Haus auch immer etwas zu werkeln, so wird mir nicht langweilig. Wenn dann noch Zeit bleibt, entkomme ich gerne aus „verschlossenen Räumen”, singe mit Arbeitskolleg*innen und engagiere mich ehrenamtlich in unserer Kirchengemeinde.

Und die allerletzte Frage: Verfügst du über eine Fähigkeit, derer du dir erst durch deine Arbeit bei Regis24 so richtig bewusst geworden bist?

Es sind sogar drei:

Erstens, ich gebe gute Schulungen und Workshops. Ich war schon immer eine Rampensau, aber erst durch Regis weiß ich, dass ich das mit meiner Neigung zur bildhaften Erklärung prima kombinieren kann und sich das im Arbeitskontext auch nutzen lässt, wenn man keine Schauspielerin ist.

Zweitens, ich bin nicht schlecht in der Konfliktbegleitung. Was ich vorher intuitiv gemacht habe, durfte ich 2019 dann noch einmal in einer Ausbildung professionell lernen.

Drittens, ich bin passabel am Kickertisch: solide in der Verteidigung und stellenweise raffiniert im Angriff.

HR Managerin Ulli Lange am Arbeitsplatz

Wer würde nicht einmal gern auf Ullis Bühne stehen wollen? Es ist jeden Versuch wert. :)