Regis24 wird 15! Firmengründer Max Maendler gratuliert und erinnert sich an die Anfänge

01. August 2018

Am 1. April 2018 ist Regis24 15 Jahre alt geworden. Max Maendler, der die Firma 2003 gemeinsam mit Martin Specht gegründet hat und heute mit ihm und unserem früheren CEO Gamal Moukabary das Advisory Board bildet, erinnert sich im Interview an die Anfänge und gratuliert zum 15-jährigen Jubiläum.

Regis24 feiert sein 15 jaehriges Bestehen

Max, wie ist eure Geschäftsidee entstanden?

Martin Specht und ich haben 2003 gemeinsam für ein englisches Start-up an einer Katalogisierung der Dienstleistungen der deutschen Kommunen gearbeitet. Das konnte nämlich weder das Bundesverwaltungsamt noch die Bundeszentrale für politische Bildung noch sonst irgendjemand – uns einen Katalog mit den Verwaltungsdienstleistungen in Deutschland zur Verfügung stellen. Wir haben drei Monate gebraucht, um 4.000 kommunale Dienstleistungen aufzuschreiben, zu schauen, wie oft die vorkommen, von wem die genutzt werden und wie die rechtliche Struktur hintendran ist, und dabei stellte sich heraus, dass die ganzen Registeranfragen – also nicht nur Melderegister, sondern auch Gewerberegister, Vereinsregister usw. – unglaublich hohe Volumina haben, von einer relativ kleinen Zielgruppe angefragt werden und relativ einfach elektronisch abzubilden sind, also so ein Kernpunkt für einen Anfang sein können von E-Government. Und dann haben wir gedacht: „Gut, versuchen wir das mal!“

Wer kam auf den Namen „Regis24“?

Das war ein Katastrophe: Wir saßen zusammen und mussten die Anmeldung beim Gewerbeamt einreichen. Wir hatten noch vier Stunden Zeit und haben „gebrainstormt“, wie wir heißen wollen. Jetzt im Nachhinein wissen wir, dass man sich da vielleicht auch mehr Zeit lassen könnte. „Regis“ ist klar: Register, ja, es sollte halt irgendwie das, was wir tun, auch im Namen vorkommen, und dann war es halt 2003, da hießen alle „24“: „Deutsche Bank 24“, „Immobilienscout24“ usw., das war damals irgendwie cool und schnell und modern und günstig. Heute klingt es irgendwie total old school und 2003. Ja, so ist das halt mit Namen.

Wie viele und wer wart ihr eigentlich am Anfang?

Wir waren zu fünft: zwei Programmierer, ein Systemadministrator, Martin als Mathematiker, der mit Zahlen umgehen konnte, und ich als Chief Optimist.

Wie sahen die ersten Schritte zur Umsetzung der Geschäftsidee aus?

Wir wussten ja schon, dass es in diesem ganzen Registerauskunftsbereich einen hohen Bedarf gibt. So haben wir uns dazu entschieden, einfach anzufangen – wir haben eine Webseite gebaut und verkündet: „Hier gibt’s elektronische Melderegisterauskünfte deutschlandweit“. Und dann haben wir alle zehn Minuten in die Datenbank geguckt, ob denn schon eine Anfrage drin ist. Und ich glaube, am dritten Tag hatten wir dann zwei Anfragen, und ich weiß noch, wie Martin meinte: „Das ist ja ein überschaubares Geschäft“.

Wie habt ihr euch finanziert?

Wir haben uns überhaupt nicht finanziert. Wir haben irgendwie die Hälfte dieser 25.000 Euro, die so eine GmbH braucht, also die Hälfte, die man von Anfang an einzahlen muss, zusammengekriegt und hatten sonst überhaupt keine Finanzierung. Aber das war in dem Bereich auch nicht so schlimm. Wir brauchten für die von uns angebotene Dienstleistung nicht viel Geld, sondern Leute, die die Zeit investieren, das mal auszuprobieren.

 

Regis24 Advisory Board Das Advisory Board von Regis24, v.l.n.r.: Dr. Gamal Moukabary, Dr. Martin Specht, Max Maendler

 

Habt ihr das am Anfang praktisch als „Hobby“ betrieben?

Ich würde nicht sagen, dass es ein Hobby war, aber wir waren schon auch angespannt, weil wir irgendwann mal größere Kunden finden mussten – sonst wäre uns bald privat die Kohle ausgegangen. Und da haben wir Glück gehabt, dass nach sechs bis acht Monaten die ersten größeren Kunden kamen und wir kleine Gehälter zahlen konnten – und Martin und mir dann irgendwann nach einem Jahr auch mal.

Also seid ihr bewusst so herangegangen, dass ihr euch auch eine Existenz aufbauen wolltet mit diesem Geschäft?

Ja, wir haben bewusst eine Firma gegründet, auch wenn wir keine Ahnung hatten, ob es funktionieren würde. Aber das Risiko war relativ klein: Schlimmstenfalls hätten wir ein halbes Jahr in den Sand gesetzt und eine Menge an Erfahrung gewonnen.

Wer waren eure ersten Kunden, eure ersten Geschäftspartner? Wie habt ihr sie gewonnen?

Unsere ersten Kunden waren Rechtsanwälte. Wir haben uns eine CD gekauft mit dem Rechtsanwaltsverzeichnis in Deutschland. Und ich weiß noch, wie wir im Innenhof im Kreis gelaufen sind und die Anwälte von unseren Handys aus abtelefoniert haben, denn wir hatten ja auch keinen Telefonanschluss. Wir haben einen nach dem anderen angerufen und gefragt, ob er das nicht mal ausprobieren möchte. Und dann kamen die ersten und haben es ausprobiert. Das haben wir viele Monate gemacht, irgendwann kamen auch mal die ersten größeren Kanzleien dazu. Das erste Inkasso-Unternehmen akquirierten wir, glaube ich, im Dezember 2003.

Wann kam der Bedarf an mehr Personal in welchen Bereichen auf? Wie habt ihr die ersten Mitarbeiter für das Team gefunden?

Im Februar 2004 hatten wir einen ersten Kunden aus München, der vorbeikommen und sich den Laden mal anschauen wollte. Und wir haben panisch reagiert, denn wir saßen zu fünft unten im Keller in der Zehdenicker Straße und haben uns gedacht: „Wir können jetzt nicht einen Großkunden gewinnen, wenn wir fünf Leute sind.“ Und deswegen haben wir mit den anderen Firmen hier im Haus gesprochen und uns einfach mal ein paar Mitarbeiter geliehen, die so getan haben, als würden sie massenhaft Melderegisterauskünfte verarbeiten. Das hat geklappt und eine Woche später kamen 9.728 Anfragen in einer Datei! Das war ein Vielfaches von allem, was wir in Summe in der Firmengeschichte bis dahin verarbeitet hatten. Daraufhin haben wir angefangen, neue Mitarbeiter zu suchen.

15 Jahre nach der Gründung hat Regis24 mit Ragnar Graetz nach Gamal Moukabary bereits den zweiten CEO, der nicht bei der Gründung dabei war, sitzt in der Wallstraße im fünften Stock eines gediegenen Bürogebäudes zwischen Botschaften und Kanzleien mit Blick auf die Spree und beschäftigt an die einhundert Mitarbeiter. Erkennst du eure Firmengründung von 2003 noch wieder? Und was wünschst du uns für die Zukunft?

Regis24 ist groß geworden! Wir hatten riesiges Glück, so tolle Leute wie Gamal und Ragnar gewinnen zu können. Sonst wäre uns die Firma wohl irgendwann über den Kopf gewachsen. Ich komme auch heute noch immer wieder gern zu Regis24. Natürlich hat sich die Firma in 15 Jahren sehr entwickelt, aber das, was sie immer schon ausgemacht hat, ist geblieben: die tollen Leute. Ich bin richtig stolz auf die Firmenkultur, die da entstanden ist. Das findet man wirklich nicht oft. Und ich wünsche mir, dass genau das auch in Zukunft bleibt, egal, wie sich die Produkte ändern, oder die Büroräume: dieses ganz besondere Miteinander, dieses Regisianertum.

 

Dieses Interview erschien ursprünglich im April 2018 in der 9. Ausgabe des Wallstraßenjournals.

 

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